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Digitalisierung und ihre gesellschaftlichen Herausforderungen

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left_corner Erstellt am: 21.02.2016
Fragen an Ole Wintermann
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Lieber Ole, habe zunächst einmal ganz herzlichen Dank, dass Du Dich für einen Gesellschaftsdialog rund um das Thema Digitalisierung und ihre gesellschaftlichen Herausforderungen einbringst. Du beschäftigst Dich ja seit Jahren mit dem Thema als Pionier, auch aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Zum Einstieg daher eine Frage, um das Feld ein wenig abzustecken und einzuordnen: Wo siehst Du schon heute gravierende Einschnitte und Veränderungen, die vielleicht abstrakte Themen wie Digitalisierung der Bildung, Arbeit 4.0 oder Government 2.0 erlebbar / spürbar machen und wo siehst Du in den nächsten Jahren perspektivisch noch die größten Veränderungen, Spannungsfelder, Schieflagen auf uns zukommen, denen wir uns stellen müssen? Freue mich auf Deine Einordnung und den Austausch mit Dir. Lieben Gruß, Clemens

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Kommentar der M F 'O Redaktion:

Lieber Fragensteller, vielen Dank für Ihre Frage. Wir reichen die Frage nun an eine öffentlich zugängliche Emailadresse des Managers oder seines Unternehmens weiter und bitten um die Beantwortung Ihrer Bürgerfrage. Wir halten Sie auf dem Laufenden, ob und wie der Manager reagiert. Ihr Redaktionsteam von managerfragen.org

right_corner Erstellt am: 24.02.2016

Lieber Clemens, hab vielen Dank für Deine Frage. Das größte Problem von allen ist wahrscheinlich die fehlende Fähigkeit der Baby-Boomer-Generation der jetzt 50-55-Jährigen, sich auf die Digitalisierung einzustellen. Dies ist umso bedenklicher als dass diese Generation zur Zeit in Politik und Wirtschaft auf den Entscheiderpositionen sitzt. Eine sehr aktuelle Studie des renommierten PEW-Instituts in den USA platziert Deutschland auf Platz 39 von 40 möglichen bei der Frage, inwiefern in Deutschland soziale Medien im Alltag genutzt werden. Wir stehen im internationalen Vergleich auf weiteren hinteren oder letzten Plätzen bei der Breitbandversorgung, der Versorgung mit Glasfaser oder auch der Nutzung digitaler Medien in den Schulen. Seit Jahren versuchen Teile der Zivilgesellschaft, den Beitritt der Bundesregierung zur Open Government Partnership (von Präsident Obama ins Leben gerufen) sowie die breitere Nutzung offener Bildungsmaterialien in den Schulen und Universitäten zu erreichen. In beiden Zukunftsfeldern finden diese Entwicklungen nahezu ohne deutsche Beteiligung statt. Eine aktuelle Meta-Studie der Bertelsmann Stiftung zum Grad der Digitalisierung deutscher KMUs hat einen immensen Nachholbedarf in der konsequenten Nutzung digitaler Tools in deutschen Unternehmen aufgezeigt. Bestätigt wurden diese Ergebnisse vom letzten Digital Index der Initiative D21. Im Bereich der Autoproduktion hat Tesla inzwischen alle deutschen Luxusmarken bzw deren Modelle (7er, 8, S-Klasse) zusammen in den USA beim Umfang der Neuanmeldungen überholt Wenn wir nicht aufpassen, wird die digitale Disruption auf eine Volkswirtschaft treffen, die nicht mehr zur rechtzeitigen Anpassung bereit ist. VG, Ole

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left_corner Erstellt am: 02.03.2016
Fragen an Ole Wintermann
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Lieber Ole, habe vielen Dank für Deine Einordnung. Bevor wir nach vorne schauen und diskutieren, wovon es ggf. mehr braucht, interessiert mich, wie es quasi zu dem nahezu letzten Platz von Deutschland bei der von Dir angesprochenen Studie gekommen ist. Was sind die Ursachen, dass wir im Umgang mit der Digitalisierung in aktuellen Führungspositionen in Politik und Wirtschaft grundsätzlich wie auch im Vergleich zu anderen Ländern hinterherhinken? Sind dies die „Nachwehen“ des eigenen Erfolgs und dem damit fehlenden Veränderungsdruck? .. oder sind es kulturelle Faktoren? Eigentlich müssten wir ja als Hochtechnologie-Land und Wissenskultur gerade beim Thema Digitalisierung uns leichter tun als andere ... Neben den Großunternehmen speziell die Frage auch in Richtung KMUs: sind es hier die fehlenden Ressourcen sich mit einem grundsätzlich neuen Thema auseinanderzusetzen und wurde / wird die aktuelle Business-Relevanz noch nicht gesehen, so dass dies im Tagesgeschäft keinen Eingang findet und so lange hinausgezögert wird, bis es es einen unmittelbaren Nutzen verspricht. Fehlt hier der marktseitige Druck oder die für KMUs sonst so kennzeichnende Stärke der langfristigen Perspektive / Ausrichtung? Zuletzt die Frage im Übergang mit dem Blick nach vorne: Was machen denn die Länder, die ganz vorne sind im Ranking, anders? Viele Grüße, Clemens

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right_corner Erstellt am: 04.03.2016

Hallo Clemens, ich denke, der Grund für die hintere Platzierung Deutschlands in diesem Ranking (wie auch in vielen anderen Studien) ist nicht in einer einzigen Ursache zu finden sondern ist das Ergebnis des Zusammenspiels etlicher Faktoren. Zum einen wäre da die schon erwähnte gealterte Bevölkerung, die dazu führt, dass der durchschnittliche Geschäftsführer in personengeführten Unternehmen inzwischen Mitte 50 ist. Ab Mitte 50 bereite ich mich eher auf das Rentnerdasein vor als dass ich neue Investitionen in einem disruptiven Umfeld mit einem umgewissen Ausgang tätige. Hinzu kommt, dass wir in internationalen Vergleich lange Zeit qualitativ sehr hochwertige Printmedien hatten, die von hochqualifizierten Journalisten erarbeitet wurden. Beides steht aber der digitalen Öffnung im Weg, da eine alternde Bevölkerung an alten Lesegewohnheiten festhält, die Journalisten Bloggern der digitalen Welt ggü eher kritisch eingestellt sind und auch das Selbstverständnis der traditionellen Medien weniger in Richtung Dialog als vielmehr in Richtung Dozieren geht. In Ländern, in denen es keine hochwertigen Medien gab, haben sich digitalen Diskursplattform sehr viel schneller durchgesetzt. Damit ist aber auch das öffentliche Meinungsbild in diesen Printmedien nicht sehr positiv ggü der Digitalisierung eingestellt. In der politischen Debatte gibt es aus diesen beiden Gründen nur wenige relevante einflussreiche Akteure (eigentlich gibt es gar keine), die für die Digitalisierung werben würden. Hinzu kommen falsche Grundsatzbeschlüsse in der Ordnungspolitik (Verabschiedung vom Prinzip der flächendeckenden Grundversorgung) und der Wettbewerbspolitik (Debatte um den Flaschenhals DTAG), die dafür gesorgt haben, dass wir auch bei der Infrastruktur inzwischen als digitales Entwicklungsland bezeichnet werden müssen. VG Ole

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left_corner Erstellt am: 24.03.2016
Fragen an Ole Wintermann
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Hallo Ole, habe erst einmal herzlichen Dank für die Bestandsaufnahme und Erläuterung zu den Ursachen / Problembereichen. Die Frage, die sich natürlich aufdrängt, was bleibt zu tun bzw. was kann man tun? Es handelt sich ja um ganz grundsätzliche Themen,die Du benennst, bei denen auch keine kurzfristigen Maßnahmen und Einzelaktivitäten weiterhelfen. Was also ist auf der einen Seite generell zu tun und was auf der anderen Seite dennoch auch ganz konkret, was uns voranbringt? Wo gibt es gut Beispiele, die wir aus anderen Ländern trotz aller Unterschiedlichkeit übernehmen könnten? Wo funktioniert es bei uns schon gut und wovon braucht es ggf. nur ein "mehr von ..."? VG, Clemens

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right_corner Erstellt am: 28.03.2016

Hallo Clemens, am Ende stehen dann doch immer zugespitzte Empfehlungen, die vielleicht etwas nach Berater-Sprech klingen (sorry!), die aber auf das Wesentliche fokussiert sind. Dazu gehören: "Einfach machen" und "Haltung zeigen". Was ist damit gemeint? Sicher könnten die politischen Entscheider entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, die den Aufbruch Deutschlands in die Digitalisierung vereinfachen würden. Was bringen diese Rahmenbedingungen aber, wenn es an der Einstellung auf der unternehmerischen Ebene, einfach mal ein Pilotprojekt zu wagen oder als Arbeitnehmer einfach mal die Freiheit, die mit digitalen Tools einhergeht, auch im eigenen Unternehmen zu nutzen. Das meine ich mit der Haltung; wenn diese Haltungen nicht vorhanden sind, nützen die besten Gesetze nichts. Und ich wäre bereits noch früher im Prozess skeptisch. Ich glaube, dass großen Teilen der deutschen Politik einfach die positive und offene Einstellung ggü der Digitalisierung fehlt. Sichtbaren Ausdruck findet diese fehlende Einstellung im Trauerspiel um den deutschen WLAN-Sonderweg aka "Störerhaftung". Freiheit, Selbstbestimmtheit und Bürgerorientierung ist hier von der Politik nicht gewollt. Folge ist, dass wir bei der Versorgung mit öffentlichen WLANs international auf das Niveau autokratischer Regime wie China und Russland zurückgefallen sind. Also: Jeder politische Entscheider, Unternehmen und Arbeitnehmer sollte sich an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob er bereit für digitalen Logiken ist und damit auch in seinem eigenen Umfeld anfangen. Dieser Rat ist nicht bequem; Digitalisierung bedeutet aber immer, die eigene Komfortzone zu verlassen. VG Ole

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left_corner Erstellt am: 13.04.2016
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Hallo Ole, lass uns doch den Blick von den Herausforderungen für Unternehmen und die Politik auf die gesellschaftlichen Auswirkungen - den Menschen an sich sowie als Arbeitnehmer einmal lenken. Was bedeutet die Digitalisierung aus Deiner Sicht hier? Computer werden (sind) schlauer als wir Menschen. Robotor, Bots, KI, das Internet der Dinge - viele neue Chancen einerseits, was bleibt mit der nächsten Automatisierungswelle aber für den Menschen noch zu tun? Kommt es zu einer "Erlösung von der Arbeit - das Ende der Arbeit" (wie nach Rifkin) oder zu einer weiteren Entfremdung mit ggf. einer weiteren Spaltung und tiefgreifenden sozialen Problemen, die wir vielleicht noch gar nicht absehen, denen wir uns in Zukunft aber stellen müssen. VG, Clemens

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right_corner Erstellt am: 21.04.2016

Hallo Clemens, deine Fragen sich wichtig und richtig, für eine Beantwortung im Rahmen eines Textfeldes auf eurer Seite aber eigentlich zu umfangreich. Due sprichst so viele verschiedene Stichworte an - vielleicht könnte man daraus mal eine kleine Veranstaltung machen? Daher seien in der Folge nur in Kürze einige der wichtigsten Trends in der Arbeitswelt von morgen genannt. 1) Es gilt: Einfach machen und nicht bei jeder unternehmerischen Entscheidung über "ganzheitliche Strategien" räsonieren, nur weil man meint, mit diesem (Verzeihung) Bullshit-Terminus die Antwort auf jede nicht mehr erfassbare Komplexität gefunden zu haben. 2) Daher sollte man sich öfters mit einer Beta zufrieden geben und nicht jahrelang warten, bis man den ins letzte durchdachte Prototypen auf den Markt bringt. 3) Dezentrale Unternehmen, in denen Kompetenz und Ideen wichtiger als Hierarchien und formalen Zuständigkeiten sind, werden sich eher auf eine digitale Zukunft einstellen können. 4) Diversität statt Exklusion und Exklusivität; wir benötigen jede Idee und nicht nur die eines Vorstandes zum Überleben auf den globalisierten Märkten. 5) Offenheit ist eine Stärke, da sie Vertrauen und Zutrauen schafft. 6) Alpha-Männchen sind out, da sie von ihrem gesamten Wesen her dem kollaborativen Charakter der digitalen Arbeit widersprechen. Sie sind die Dinosaurier aus der Industriegesellschaft des 20. Jh. 7) Kritik ist keine Ehrverletzung sondern die Chance, sich zu verbessern. Je mehr Kritik ich erhalte, umso mehr kann ich mich verbessern. 8) Unternehmenskultur, CSR und Wertschätzung sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind keine "Gedöns-Themen" mehr sondern Voraussetzung des Überlebens in einem zunehmend agilen Umfeld. Soweit einige kurze Antworten auf deine Fragen, Clemens. Wie geschrieben: Man könnte noch umfänglicher diskutieren. VG, Ole

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